Guten Morgen!

Guten Morgen!

Der Wecker hat heute um 4:45 geklingelt. Meine Frau und mein 6,5 Monate alter Sohn hatten gerade eine Schlaphase. Bei meiner Frau um die Zeit nicht so ungewöhnlich. Der Sohnemann hat es allerdings nicht ganz so mit dem durchschlafen.

Nach langer Zeit bin ich heute wieder zurück in der Krankenpflege. Und das in einem ganz neuen Bereich, der Hauskrankenpflege. Mein dritter Einschulungs-Tag und damit auch mein letzter. Nicht gerade viel für einen Pfleger wie mich, der bis jetzt nur in geriatrischen Einrichtung gearbeitet hat. Eigentlich sogar verdammt wenig wenn man bedenkt, dass ich die letzten acht Jahre eigentlich was vollkommen anderes gemacht habe. Aber mehr gibt’s nicht und ab nächste Woche geht es dann alleine los. 

Auf ins Abenteuer!„, denke ich mir. Und schon startet die Morgenroutine. Raus aus dem Schlafzimmer, über die Katzen stolpern, Katzen füttern, Bad, noch mal über zumindest eine Katze stolpern, Multitasking Frühstück (Essen, Zeitung lesen, Katze am Schoß streicheln), ab ins Arbeitsgewand, auf zum Auto. 

Mittlerweile ist es 5:45. Bis zum Stützpunkt sind es maximal 5 Minuten Autofahrt. Heute hat Mutter Natur allerdings beschlossen, eine besondere Überraschung für mich bereit zu haben. Winter Wonderland!

Wunderschön, einzigartig, ja sogar ein wenig romantisch. Auf der anderen Seite bedeutet es halt auch leider Kälte, rutschige Straßen und ein von Schnee und einer dicken Eisschicht zugedecktes Auto. 

Also mache ich das, was man halt in so einer Situation tut. Ich befreite das Auto vom Schnee und beginne das Eis abzukratzen. Dabei fluche ich. Mit entkommen Worte, die ich hier lieber nicht wiederhole, während meine Finger ein wenig einfrieren. Natürlich alles in gemäßigter Lautstärke. Die Nachbarn schlafen ja noch. 

Nach diesem kurzem winterlichen Intermezzo komme ich am Stützpunkt an. Ich zücke mein Diensthandy und starte über eine App meinen Dienstbeginn. Die moderne Variante der Stempelkarte, sozusagen. Und schon geht es los! Also noch nicht gleich. Draußen steht ja noch das Dienstauto, zugeschneit und unter einer dicken Eisschicht. Der Winter schafft es jedes Jahr, mir in sehr kurzer Zeit unsympathisch zu werden. 
Aber nun kann die Tour endlich richtig starten. Da es noch ein Einschulungs-Tag ist, habe ich zum Glück einen erfahrenen Kollegen mit dabei. Mit vielen Dingen hatte ich davor im stationären Bereich noch nie zu tun. Mit Einsatzplänen auf einem Handy, Adressen suchen, Schlüsselsafes und ihre Tücken, Enten die plötzlich auf der Straße sitzen und dir den Weg versperren,… und so einiges mehr. 

Der größte Unterschied ist allerdings bei der tatsächlich pflegerische Arbeit selbst sichtbar. Bei jedem Kunden sieht es anders aus. War ich früher auf manch Stationen froh, wenn ich endlich gewusst habe, wo ich was finde, war das gegen die Arbeit hier der reinste Kindergarten. Jede Wohnung, beziehungsweise jedes Haus sieht anders aus. Vom Waschlappen bis zum Teebeutel, vom Kopfpolsterbezug bis zu den Lieblingssocken, keine Wohnräumlichkeiten gleichen den anderen. Jedes mal beginnt die Suche für einen Neuling wie mich von vorne. Vom noblen Haus bis zur eher verwahrlosten kleinen Wohnung ist hier alles möglich. Alles so unterschiedlich, wie die Kunden selbst. 

So geht es von Einsatz zu Einsatz. Im Laufe des Tages wird es ein wenig wärmer und es beginnt zu tauen. Ich merke, dass meine neuen Sportschuhe zwar sehr bequem, aber für solch matschig Verhältnisse nicht besonders geeignet sind. Meine Socken werden nass, die Füße kalt. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich Winter nicht leiden kann? 

Zu Mittag ist dann erst mal ein wenig Pause. Schnell nach Hause, Familie besuchen, was Essen und ein Stündchen fehlenden Schlaf nachholen. Tagsüber ist es so wundervoll ruhig im Schlafzimmer. Die Erholungsphase tut mir gut. Wenn man ihn richtig nützen kann, ist so ein geteilter Dienst eigentlich was recht angenehmes. 

Am späten Nachmittag geht es weiter. Ein ungewöhnliches, neues Gefühl abends erneut in den Dienst zu gehen. Mittlerweile ist es wieder dunkel geworden. Es ist ruhig auf den Straßen. Und auch die Einsätze wirken ein wenig entspannter. Das gibt mir die Gelegenheit noch ein paar Kunden ein wenig besser kennen zu lernen. Insgesamt eher der Tropfen auf dem heißen Stein, was Erfahrungswerte angeht. Aber zumindest bringt es ein wenig Sicherheit mehr für die kommende Woche, wenn ich alleine losreiten darf. 

Nach dem letzten Kunden gehen wir noch einmal über die Wiese um den Schlüssel zurück in den kleinen Schlüsselsafe zu legen. Dabei sehe ich etwas, dass ich schon seit langer Zeit nicht mehr gesehen habe. Einen Schneemann! Es ist wie eine kleine Belohnung, an einem durchwegs anstrengenden Tag. Danke lieber Winter. War nicht so gemeint. 

Ich bin schon gespannt was die Zukunft bringt. Besondere Erlebnisse, Erfahrunge und Gedanken möchte ich auf jeden Fall hier im Blog festhalten. Sei es nun dirkekt aus der Arbeit, zu tagesaktuellen Themen, oder auch zu Dingen mit denen ich mich gerade beschäftige.

Ich wünsche euch viel Spaß beim lesen und freue mich schon auf das ein – oder andere Kommentar.

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